| Der sinkende Milchpreis macht den Engadiner Bauern zu schaffen | |||||||
Kurt Meyer und seine Kollegen stellen sich noch viele weitere Fragen. So unter anderem die folgende: «Der Milchpreis im Laden ist ja kaum gesunken. Wer profitiert denn da?» Eine Antwort findet man kaum. «Der Druck ist gewaltig» Seitens der Milchverarbeiter tönt es nicht anders. Diese sind mit ständig steigenden Milchmengen konfrontiert, was den Preis in die Tiefe treibt. Bei der LESA in Bever sagt Sepp Nicca, Betriebsleiter Produktion: «Vor allem der Druck der Grossverteiler ist gewaltig. Unsere Marge wird auch ständig kleiner.» Zusätzlich Milch zu verarbeiten sei keine Lösung: «Zuviel Käse zu produzieren macht keinen Sinn.» Er sieht die Gründe für die Misere mit dem tiefen Milchpreis und der zu grossen Milchmenge beim erfolgten Ausstieg aus der Kontingentierung. «Ab diesem Zeitpunkt hat man die Basismenge nicht mehr im Griff gehabt», glaubt Sepp Nicca. «Wir sitzen auf Milchüberschüssen, die allen zu schaffen machen.» Als Lösung sieht der Produktionsleiter bei der LESA einzig eine Reduzierung der Menge. «Dann wird sich auch der Preis wieder ändern.» Boykott kontraproduktiv Carlo Mengotti, landwirtschaftlicher Berater im Oberengadin, bestätigt die «sehr schwierige Lage» für die Landwirte. Die wenigen milchproduzierenden Betriebe im Oberengadin seien sehr gefordert. Eine Lösung aus dem Schlamassel mit den tiefen Preisen sieht er zurzeit nicht. Und ein «Boykott wäre kontraproduktiv», sagt Mengotti. Eine Massnahme, die in Europa in den letzten Wochen von vielen Bauern angewendet worden ist. So haben sie mit Traktoren die Strassen blockiert und die Milch auf die Strasse gekippt. Das sei keine Lösung, betont man im Engadin. Im Unterengadin, wo es gemäss dem landwirtschaftlichen Berater Riet Pedotti noch «70 bis 80 Milchbauern gibt», kann man die Frage, wieviele Betriebe aufgrund des tiefen Milchpreises gefährdet seien, nicht konkret beantworten. «Das ist sehr schwierig zu sagen», meint Pedotti. Im Engadin hänge viel auch von den Verarbeitern wie der LESA ab. Und bezüglich der Gründe für den tiefen Milchpreis erklärt der Berater: «Der Schwarze Peter wird hin und her geschoben.» Pedotti ist pessimistisch bezüglich einer Lösung seitens des Bundes. «Der wird nicht mehr stark einsteigen», ist er überzeugt. Und fasst die Situation treffend zusammen: «Es herrscht momentan ganz einfach Chaos.» «Schmerzgrenze ist erreicht» Eher ratlos sind viele Bauern, die Berater aber auch Verarbeiter bei der Frage, was man denn machen könne, um die Misere zu beenden. Und der Konsument, was kann der tun, um den Bauern zu helfen? «So viel wie möglich Milchprodukte kaufen», sagt Riet Pedotti. «Wenn jeder zehn Prozent mehr konsumieren würde, wäre schon viel geholfen.» Wichtig sei, dass die Bevölkerung im Tal «eigene Produkte» kaufe. «Und das Engadin muss sich auf die eigenen Spezialitäten konzentrieren.» Eine andere Variante, der Direktbezug von Milch beim Landwirt, sei auch keine Lösung, weil unpraktikabel, wie Kurt Meyer sagt. Es gebe zwar Leute, die das machten, aber nur vereinzelt. In seinem Fall sei das sowieso schwierig, weil sein Hof zwei Kilometer weg vom Dorf liege. Die Milchmarkt-Situation hat zur Folge, dass das gesamte Einkommen in der schweizerischen Landwirtschaft sinkt. 2009 geht es gemäss der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung des Bundes gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent zurück. Das Arbeitsentgelt pro beschäftigte Person sank zudem um 4,6 Prozent. Noch eklatanter ist die Lage, wenn man den Milchpreis isoliert betrachtet: Dieser sank innerhalb eines Jahres um mehr als 10 Rappen pro Kilo, oder um 13 Prozent. Die Situation der Milchbauern, nicht nur jener im Engadin, fasst der Unterengadiner Berater Riet Pedotti schliesslich zusammen: «Die Schmerzgrenze ist erreicht!» Überleben können viele nur noch mit nichtlandwirtschaftlichen Nebentätigkeiten wie der Verarbeitung von Erzeugnissen auf dem Hof oder anderem. |
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| Quelle: Engadiner Post Autor: Stephan Kiener | |||||||
| Ort: 7500 St. Moritz | |||||||
| Datum: 08.10.2009 | |||||||
| Rubriken: Diverses, Wirtschaft | |||||||