| Roger de Weck meint Ja und hat Antworten | |||||||
Als Erstes nannte de Weck das Ungleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit. In jüngster Zeit sei das Kapital auf Kosten der Arbeit übervorteilt worden. So habe es Steuersenkungen auf Kapitalwerte gegeben, während die Abgaben für die Arbeitnehmer eher gestiegen seien. «Wenn man wie Joe Ackermann 25% Rendite im Jahr anstrebt, wie er das mit der Deutschen Bank weiterhin tut, ist das unseriös. Er arbeitet damit an der nächsten Spekulationsblase», kritisierte de Weck. Das heisst: Wenn es so weiter geht, ist die nächste Krise nur eine Frage der Zeit. Eigenverantwortung statt Gier «Nach der Krise – Gibt es einen anderen Kapitalismus?» So lautet der Titel von de Wecks Buch, in dem er seine Thesen erläutert, warum es zur Finanzkrise kam, und was man ändern muss, um künftige Krisen zu vermeiden. «Es gab einmal einen anderen Kapitalismus», erklärte de Weck. In den 60er- und 70er-Jahren habe man bewusst aufs Gleichgewicht und den Interessenausgleich geachtet. «Die Eigenverantwortung war damals noch hochgeschrieben.» Doch ab den 80er- Jahren sei diese Eigenverantwortung immer mehr verloren gegangen und der Eigennutz, die Gier, sei zum zentralen Antrieb des Kapitalismus geworden. Ein Problem sieht de Weck auch darin, dass die Global-Player-Unternehmen gar keine «richtigen Eigentümer» mehr hätten, die die Verantwortung wahrnehmen könnten. Ein weiteres Ungleichgewicht sieht der Publizist im Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft. «Jeder Markt braucht eine Ordnung, ohne Ordnung gibt es Exzesse und Chaos.» Und für diese Ordnung müsse der Staat sorgen. Es sei darum eine Illusion zu glauben, ein möglichst schwacher Staat sei wirtschaftsfreundlich. Das Gegenteil sei der Fall, der Staat müsse stark auftreten und kompetent sein, nur dann könne der Markt gut funktionieren. In letzter Zeit hätte aber bei vielen Wirtschaftsführern die Überzeugung vorgeherrscht, dass die Politik ihnen zu Diensten steht, und genau so habe sich etwa Bundesrat Merz auch lange Zeit verhalten, kritisierte de Weck. Zudem sei es paradox, dass Staatsinterventionen in der Krise erwünscht sind, aber Staatsregulationen verpönt. «Das ist, wie wenn ich am Sonntag Kapitalist bin, aber werktags Marxist», spitzte de Weck das Missverhältnis zu. Ebenfalls aus dem Gleichgewicht ist laut de Weck das Verhältnis zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft. «Die Finanzwirtschaft sollte im Dienste der Realwirtschaft stehen und nicht umgekehrt.» Dieses Missverhältnis habe die Schweiz an den Rand eines Staatskonkurses geführt. Die Säulen der Schweiz wackeln Für die Zukunft der Schweiz malte de Weck ein düsteres Bild. Denn er sieht drei Grundpfeiler der Eidgenossenschaft wackeln: Erstens bröckelt der Finanzplatz. Geschäften mit Schwarzgeld, womit die Schweiz über Jahrzehnte viel Geld verdiente, werde nicht mehr geduldet, meinte de Weck. Zweitens kriselt es in den Aussenbeziehungen. Man habe gespannte Beziehungen mit allen Nachbarn, mit den USA mit China und der islamischen Welt. «Mit wem sonst können wir uns noch anlegen?», fragte de Weck rhetorisch. Und drittens sieht der Publizist eine Schwächung in der Innenpolitik. Die Tendenzen gehen dazu, dass man nicht mehr lösungsorientiert arbeitet, sondern immer mehr machtorientiert. Er meint damit vor allem die Politik der SVP, «die vom Bundesrat über das Parlament bis zur Justiz zu den Medien und Universitäten alles schlechtredet.» Nach den Ausführungen de Wecks gab es eine offene Diskussionsrunde, bei der klar wurde, dass nicht alle Positionen von de Weck auf Zustimmung gestossen sind. Vor allem bei der Frage, ob die Schweiz der EU beitreten soll oder nicht, schieden sich die Geister des Publizisten und der KMU-Vertreter. De Weck ist ein überzeugter Europäer und sieht die Zukunft der Schweiz nur in einem grösseren Gebilde, auch wenn dieses einige Mängel hat. Die Kleinunternehmer zeigten sich indes zutiefst skeptisch gegenüber der EU. «Überzeugt von einem EU-Beitritt hat mich de Weck nicht, aber seine Positionen sind klar und man muss dieses Thema diskutieren», lautete denn auch das Fazit der meisten Teilnehmer. |
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| Quelle: Engadiner Post Autor: Franco Furger | |||||||
| Ort: 7500 St. Moritz | |||||||
| Datum: 30.03.2010 | |||||||
| Rubriken: Diverses, Politik, Wirtschaft | |||||||