Heikle Kandidatenkür in St. Moritz
HGV-Vorstand wird von der Basis zurückgepfiffen
Anfangs April wurde via Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die Vorstände von Handels- und Gewerbeverein und hotelleriesuisse St.Moritz den parteilosen Sigi Asprion als Kandidaten fürs St.Moritzer Gemeindepräsidium portiert haben und auch der Vorstand des Kur- und Verkehrsvereins diese Kandidatur «begrüsst».
Ein Vorgehen, das einigen Mitgliedern des Handels- und Gewerbevereins ganz offensichtlich sauer aufgestossen ist. Der Protest manifestierte sich an der Generalversammlung vom vergangenen Mittwoch, wo das Geschäft traktandiert war. Mehrfach wurde betont, dass sich die Kritik nicht gegen die Person von Sigi Asprion richte, sondern gegen das Verhalten des Vorstandes. CVP-Gemeinderat Cristiano Luminati kritisierte, dass der Vorstand mit diesem überstürzten Vorgehen das ganze Kandidatenprozedere blockiert habe. «Der Vorstand hätte bis zur heutigen Versammlung zuwarten müssen», sagte Luminati. Andere Votanten sprachen von einem «unnötigen Schnellschuss» und stellten sich auf den Standpunkt, dass es in St. Moritz Aufgabe der Parteien sei, Kandidaten zu portieren.


Noch keine Einigung

HGV-Präsident Markus Testa verwies auf die schwierige Ausgangslage. Zum Zeitpunkt der Anfrage sei man im luftleeren Raum gestanden, weil offiziell keine Kandidaturen bekannt gewesen seien. Wenn sich in St.Moritz die Wirtschaft zusammenschliesse und auf einen Kandidaten setze, könne das eine gute Sache sein. «Das ist die Meinung des Vorstandes. Wenn ein guter Kandidat aus dem HGV kommt, können wir unsere Meinung aber auch revidieren», sagte Testa. Vertreter der Hotellerie gaben zu bedenken, dass ein parteiloser Kandidat auf die Unterstützung der Vereine angewiesen sei, um bei der Wahl eine Chance zu haben.
Schliesslich beschloss die Versammlung mit 17:16 Stimmen, sich noch nicht auf einen Kandidaten zu einigen. Der Vorstand wurde beauftragt, bei den politischen Parteien die Kandidatennennungen anzufragen und anschliessend eine ausserordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen.
Die Nachfolgerin oder der Nachfolger des scheidenden St. Moritzer Gemeindepräsidenten Peter Barth wird am 26. September bestimmt. Neben Asprion ist bisher erst die Kandidatur des Unabhängigen Hubertus Fanti bekannt. Als Kandidat gehandelt wird auch der heutige CVP-Gemeindevorstand Marco Biancotti. Er war als HGV-Mitglied ebenfalls an der Versammlung anwesend. Gegenüber der EP/PL sagte Biancotti am Rande der Versammlung, dass es vor einem definitiven Entscheid über eine Kandidatur noch verschiedene Punkte abzuklären gelte.
Die anderen traktandierten Geschäfte gaben zu keinen Diskussionen Anlass. Der Vorstand wurde für zwei weitere Jahre wiedergewählt und die Rechnung mit einem Gewinn von gut 2000 Franken gutgeheissen. In seinem Rückblick erwähnte Testa das Dorffest, das trotz wechselhaftem Wetter zu einem Erfolg wurde, ebenso wie das jeweils im Frühjahr organisierte KMU-Forum. Weiter hat der HGV vom Vernehmlassungsrecht zum neuen Baugesetz und zur Neugestaltung des Schulhausplatzes und der Plazza dal Rosatsch Gebrauch gemacht.


«Attraktiver Steuerstandort»

Anschliessend an die Versammlung referierte der Bündner Finanzminister Martin Schmid zum Thema Steuern. «Graubünden ist heute ein attraktiver Steuerstandort», sagte er und zeigte anhand von einigen Zahlen auf, dass aufgrund von bereits beschlossenen Massnahmen sowohl Privat- wie auch juristische Personen von Steuersenkungen profitieren werden. Der Kanton werde dadurch zwar kurzfristig weniger Steuereinnahmen generieren, langfristig aber profitieren, weil der attraktive Steuerstandort Personen und Firmen anziehe, was zu einem höheren Steuersubstrat führe. Schmid zeigte sich überzeugt, dass sich die Strategie des Kantons mit Steuersenkungen während Krisenjahren auszahlen wird, auch wenn die Regierung dafür kritisiert worden sei. «Steuer-
senkungen sind Investitionen für die Zukunft», sagte er.
Quelle: Engadiner Post   Autor: Reto Stifel
Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 24.04.2010
Rubriken: Diverses, Politik, Wirtschaft
 
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