Gute Ausbildungsplätze an Engadiner Spitälern
Engadiner Spitäler erhalten gute Noten von Assistenzärzten
Jährlich gibt der Berufsverband der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) eine Studie in Auftrag, die die Rahmenbedingungen der Ärzteausbildung an Schweizer Spitälern und Kliniken untersucht. Dazu werden Assistenzärztinnen und -ärzte mittels Fragebogen befragt. Kriterien wie Lern-, Führungs-, Entscheidungs- und Fehlerkultur, aber auch Fachkompetenz werden von den Befragten auf einer Skala von 1 bis 6 bewertet. Ausserdem besteht die Möglichkeit, eine abschliessende Globalbeurteilungsnote zuzuteilen. Die Befragung wird jeweils separat pro medizinischen Fachbereich durchgeführt. Auch die Engadiner Spitäler in Samedan und Scuol waren Teil der von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) durchgeführten Befragung. Im Engadin wurden Assistenzärzte aus den Bereichen Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie befragt. Die Anzahl Befragter variiert zwischen drei und fünf je Fachbereich und Spital.


Gute Noten vom Assistententeam

Das Resultat der Umfrage spricht für die Engadiner Spitäler als Ausbildungsstätte, insbesondere im Bereich der inneren Medizin. Die Ausbildungsbedingungen in diesem Bereich wurden von den Assistenzärzten mit sehr gut bewertet. Für das Spital Unterengadin mit der Globalnote 5.5, für das Spital Oberengadin gar mit der Bestnote 6.
Der Fachbereich Chirurgie erhielt von den Befragten die Globalnoten 4 (Spital Unterengadin) und 4.5 (Spital Oberengadin). Diese Benotung entspricht dem Durchschnitt für den Bereich Chirurgie in der Schweiz.
Die Ausbildungsbedingungen im Bereich der Gynäkologie wurden von den Assistenzärzten als gut beurteilt. Damit liegt das Spital Oberengadin zwar leicht unter dem schweizerischen Durchschnitt, allerdings auf einem hohen Niveau (Note 5). Gemäss Sigi Asprion, Spitaldirektor am Spital Oberengadin, ist das leicht unterdurchschnittliche Abschneiden zu einem grossen Teil mit der eher kleinen Anzahl Fälle (Geburten) im Einzugsgebiet des Spitals zu erklären.


Die Kader sind zufrieden

Das ausgezeichnete Abschneiden seiner Abteilung in der diesjährigen FMH-Studie erklärt Dr. med. Donat Marugg, Chefarzt für innere Medizin am Spital Oberengadin, folgendermassen: «Häufiger und vor allem persönlicher Kontakt des Assistententeams mit den Patienten wird bewusst gefördert.» Weiter erwähnt Marugg, dass Besprechungen vor und nach der Patientenvisite eine direkte Feedbackkultur unterstützten. «Diese Rahmenbedingungen ermöglichten den Auszubildenden eine intensive und optimal betreute Lernerfahrung», meint Marugg.
Asprion und Marugg sind sich ausserdem einig, dass viel persönliches Engagement dahinter stecke, wenn es darum gehe, an den Engadiner Spitälern gute Ausbildungsplätze zu schaffen. Dies sei auch absolut nötig, weil die Spitäler trotz der peripheren Lage gute Assistenzärzte brauchen. Dies sieht auch Dr. med. Joachim Koppenberg, Spitaldirektor am Ospidal Engiadina Bassa, so. Es sei sehr wichtig, den Auszubildenden attraktive Bedingungen bieten zu können, weshalb das Ospidal die FMH-Studie auch äusserst ernst nehme. Dass man 2009 im Vergleich zu den letzten fünf Jahren schlechter abgeschlossen hat, erklärt er damit, dass eine Zunahme der Operationszahlen im letzten Jahr direkt mit der Betreuungskapazität der Kaderärzte zusammen hängt. Die Situation soll aber verbessert werden, indem Kaderressourcen nach Möglichkeit aufgestockt werden. Mit einem ähnlichen Argument erklärt Asprion die unterschiedliche Benotung der Fachbereiche innere Medizin und Chirurgie am Spital Oberengadin. In der inneren Medizin sei es tendenziell einfacher, die Lernenden bei Patientenvisiten und geplanten Operationen einzubinden als in der Chirurgie. Insbesondere in der Hochsaison wird die Chirurgie mit Notfällen überhäuft und es wird fast pausenlos operiert. «Sobald aber der Kaderarzt im Operationssaal ist, kann er nicht gleichzeitig für Fragen der Assistenzärzte zur Verfügung stehen», meint Asprion. Dies kann gemäss Asprion zeitweise dazu führen, dass bei der Betreuungszeit der Assistenten Abstriche gemacht werden müssen.
Unisono sind die Vertreter der zwei Spitäler der Meinung, dass die Grösse des Spitals eine zentrale Rolle spielt für die Qualität der Ausbildungsbedingungen. Zwar bieten kleinere Spitäler tendenziell eher weniger Fälle. Gleichzeitig wird in kleineren Spitälern aber die Nähe zu den Kaderärzten, also zu den Lehrern, wie auch zu den Patienten als klarer Vorteil herausgestrichen. Koppenberg ist ausserdem der Meinung, dass an einem kleineren Spital das Assistententeam viel eher die Möglichkeit hat, den Patienten umfassend und in verschiedenen Belangen zu betreuen. Dies werde am Spital Unterengadin auch bewusst so gelebt. Generell ist man an den Engadiner Spitälern überzeugt, dass ein weniger anonymes Umfeld, wie es in einem kleineren Spital herrscht, noch zusätzlich zum Mitdenken und -entscheiden anspornt, ein Kriterium, das den Lernprozess klar fördere.
Quelle: Engadiner Post   Autor: Martina Gammeter
Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 21.06.2010
Rubriken: Diverses, Wirtschaft
 
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