Skiclub Alpina sagt Ja zur Sprungschanze
Der Entscheid über die Zukunft der Olympiaschanze St. Moritz ist nicht nur ein rein sachlicher, sondern vor allem auch ein emotionaler.
Die Siegertafel bei der Olympiaschanze St. Moritz: 2005 war das letzte Weihnachtsspringen auf der Anlage.
Die Siegertafel bei der Olympiaschanze St. Moritz: 2005 war das letzte Weihnachtsspringen auf der Anlage.
Bis zu 50 000 Skisprünge wurden in den 90er-Jahren auf der Olympiaschanze St. Moritz absolviert. In der Mehrheit Trainingssprünge von ausländischen Verbänden, die sich über längere Zeit in der Vorsaison in St. Moritz aufhielten. Grosse Wettkämpfe fanden auf der Anlage kaum mehr statt, mit Ausnahme des Weihnachtsspringens im Rahmen des Continentalcups. Letztmals am 26. Dezember 2005. Seit 2006 ist die 90-m-Schanze geschlossen, sie ist nicht mehr trainings- und wettkampftauglich. Aufrechterhalten blieb der Winter-Betrieb auf den kleineren Schanzen Falcun, Spreret und 15 m für den Nachwuchs.

Ein Vorprojekt

Diskutiert über die grundlegende Erneuerung der Olympiaschanze wird seit den 90er-Jahren. Verschiedene Ideen wurden verfolgt. 2007 erstellte eine vom Gemeinderat eingesetzte Kommission eine Zustandsanalyse. Die Idee einer 140-m-Anlage wurde verfolgt, aufgrund der vorhandenen Gelände- und Windverhältnisse verworfen. Nun liegt ein Vorprojekt für eine 120-m-Anlage vor, das an der GV des Skiclubs Alpina St. Moritz diskutiert wurde. Der Skiclub ist Baurechtsnehmer und Betreiber der bisherigen Anlage.
Kommissionsmitglied Peter Grigoli zeigte auf, welche Bedeutung die Anlage im Skisprungsport hat: Die schneesichere Lage, eine der besten Anlagen bezüglich Windeinfluss, günstige Anreisewege aus Osten und Süden, Trainingsstützpunkt vieler Landesverbände. «Die Olympiaschanze war die beliebteste Trainingsanlage im Alpenraum», hielt Grigoli fest. Und St. Moritz sei 1905 mit der Julierschanze «die Wiege des Skisprungs in den Alpen» gewesen.
Nicht nur für Trainings im Frühwinter war und ist St. Moritz gesucht, in früheren Jahren wurden auch Weltcupspringen ausgetragen. Diese seien mit einem Neubau erneut möglich, vor allem anfangs Saison, habe der Internationale Skiverband FIS sich verlauten lassen, hiess es an der GV.

Die Haltung der Umweltverbände

Die geschätzten Baukosten für eine neue Anlage belaufen sich auf rund 7,4 Mio. Franken. Allerdings seien diese nicht fest, der definitive Betrag hänge noch von geforderten Ersatzmassnahmen der Umweltverbände sowie den Kosten für einen allfälligen Gestaltungswettbewerb ab, hielt Kommissionspräsident Florio Motti gegenüber der EP/PL fest. WWF und Pro Natura haben ihr grundsätzliches Einverständnis zur Erneuerung der Schanzenanlage gegeben, unter der Bedingung, dass Ersatzmassnahmen umgesetzt werden. Wie diese genau aussehen sollen ist noch nicht bekannt.
Ebenso nicht die Höhe der Gelder, welche die NASAK und KASAK (nationale und kantonale Sportanlagen-Konzepte) als Unterstützung sprechen sollen. Dies könnten bis zu 25 % der Projektkosten sein, realistisch sind 10 bis 15 %.

Betriebsform offen

Der St. Moritzer Sportchef Martin Berthod bezifferte die jährlichen Betriebskosten bei der erneuerten Anlage auf rund 170 000 Franken mit einem angenommenen Defizit von 20 000 Franken. Angestrebt werden soll eine «schwarze Null». Offen ist die künftige Betriebsform für die Anlage. Möglich seien die Schaffung eines Vereins ausserhalb des Skiclubs, eine einfach Gesellschaft oder eine Aktiengesellschaft. Ebenfalls noch nicht beantwortet ist die Frage, wer die Bauherrschaft übernimmt. In Frage kommen der SC Alpina oder die Gemeinde St. Moritz.
Der Vorstand des SC Alpina erhielt von der Generalversammlung den Auftrag, dem St. Moritzer Gemeindevorstand einen Vorschlag über die Betriebsform zu unterbreiten.

Die Haltung von Swiss Ski

Die Diskussion der Skiclubmitglieder drehte sich vor allem um Einzelfragen. Ein Votant wollte, dass man im Schanzengelände Synergien nutze und den Einbau des Biathlon- und des Langlaufsportes in das Konzept prüfe. Ausserdem müsse Swiss Ski endlich «klar Farbe zur St. Moritzer Schanze bekennen». Der frühere Erfolgstrainer und neue Swiss-Ski-Skisprungchef Berni Schödler hielt vor den Mitgliedern fest, dass der nationale Verband die Bemühungen klar unterstütze. Swiss Ski will sich gemäss Martin Berthod mit einem Betrag von 50 000 Franken an den jährlichen Betriebskosten beteiligen. Diskussionsteilnehmer warnten davor, alles rosarot zu sehen. Man müsse sich Gedanken über den Sinn eines Neubaus machen. «Die Schanze ist nicht touristisch nutzbar», sagte auch Berni Schödler auf Nachfrage der EP/PL. Die Abklärungen über die Nachhaltigkeit seien daher notwendig und verständlich. Aus sportlicher Sicht bleibe die Anlage aber sehr wichtig, sie sei eine Institution. Und St. Moritz ein Wintersportzentrum. Um den Winterbetrieb der Schanze geht es vor allem, ein Sommerbetrieb auf der grossen Anlage ist kein Thema. Nicht tangiert wird vom Entscheid bezüglich Schanze die Tätigkeit des Wurftaubenclubs. Dieser Betrieb ist im Sommer weiterhin gewährleistet.

Wie weiter?

Die Generalversammlung des Skiclub Alpina St. Moritz gab schliesslich mit 40 gegen eine Gegenstimme bei zwei Enthaltungen ein klares Bekenntnis zum Neubau der Olympiaschanze und von Nebenanlagen ab. Nach Ansicht der Kommission soll im September der Gemeinderat über das Vorhaben einen Entscheid fällen, das Stimmvolk wenn möglich im kommenden Frühjahr.
Quelle: Engadiner Post   Autor: Stephan Kiener
Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 10.07.2010
Rubriken: Sport, Tourismus, Wirtschaft
 
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