Gnadenkapelle
Die schwarze Madonna
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Gnadenbild (grosses Bild)

Es ist kein schönes Bild, das sich in diesem Frühling des Jahres 1798 im Heiligtum "Unserer Lieben Frau vom Finstern Wald" zeigt: Wo sonst fromme Pilger beten, lungern französische Revolutionssoldaten herum, würfeln, saufen und streiten um Essrationen. Pferdegeklapper, Flüche und schallendes Lachen, durchsetzt von scharfen Befehlen,
dröhnen, wo sonst Mönchsgesang klingt. Staub von Stroh und Mist wirbelt in die Kuppeln hinauf und der Geruch von Pulver, Schwefel und Schnaps hängt in den entweihten Hallen.
In der Gnadenkapelle aber wird die Holzstatue der Muttergottes von ihrem Platz geholt und direkt nach Paris geschickt. Dort stellt man allerdings fest, dass es sich nur um eine Kopie handelt. Die Mönche haben diese gegen das echte, Jahrhunderte alte Gnadenbild ausgetauscht. Die Offiziere leiten eine Fahndung ein und suchen fieberhaft nach der Figur.
Die Flucht des echten Gnadenbildes ist nicht nur dramatisch, sie ist auch lebensgefährlich. Würden die Franzosen die Statue finden, die der Klosterangestellte Placidus Kälin zuerst beim Sigristen von Alptal im Stall versteckt, dann auf der Haggenegg oberhalb Schwyz in den Boden eingräbt und schliesslich auf einem Ochsenkarren in einer Kiste nach Bludenz ins Frauenkloster schmuggelt, so würde er standrechtlich erschossen. Die Einsiedler Madonna aber gelangt schliesslich unversehrt bis nach Triest.
Indessen befiehlt das Direktorium in Paris, die Gnadenkapelle abzureissen. Mit Brecheisen, Hämmern und Stangen zerstören die Soldaten das Heiligtum.
Der Gnadenort sollte verschwinden
Die Franzosen wussten wohl, was sie taten. Es war nicht der kunsthistorische Wert dieses Gnadenbildes, der sie reizte; damals interessierte ohnehin nur, was aus wertvollem Material gefertigt war. Das Direktorium wusste zu genau: Solange in Einsiedeln die Gnadenmadonna in ihrer Kapelle stand, solange würden die Pilgerströme aus ganz Europa nicht versiegen, solange würde auch das Kloster weiterleben. Gnadenbild und Gnadenkapelle waren der Lebensnerv, sie mussten verschwinden.

Am Anfang die Kapelle Meinrads

Die Geschichte der Gnadenkapelle geht bis auf den heiligen Meinrad zurück. Als die ersten Einsiedler vierzig Jahre nach seiner Ermordung im "Finstern Wald" wieder Zellen errichteten, zimmerten sie über den Ruinen von seinem Altar eine Kapelle, die sie dem Erlöser weihten.
Der erste Abt, Eberhard von Nellenburg, baute daneben eine Kirche zu Ehren Marias und Mauritius, welche im August 948 feierlich eingeweiht wurde. Am darauffolgenden 14. September sollte dann auch die Erlöserkapelle geweiht werden.

Die Engelweihlegende

In der Nacht zuvor betete Bischof Konrad von Konstanz in der Kapelle und sah, wie Christus als Erlöser vom Himmel herabstieg und in einem violetten Messgewand an den Altar trat. Die vier Evangelisten setzten ihm die Mitra auf, Engel schwangen das Rauchfass und sangen unter Leitung von Erzengel Michael im Chor, während Petrus den Hirtenstab hielt. Viele Heilige wohnten der Messfeier bei, in der Christus die Kapelle zu Ehren Marias, seiner Mutter, selber weihte.
Diese wunderschöne Geschichte macht den Wechsel von der Erlöser- zur Marienkapelle deutlich, der sich schon sehr früh vollzogen haben musste. Der Ort wurde zum Gnadenort. Der 14. September wird als Fest der Engelweihe auch heute noch begangen. Am Abend erstrahlt die ganze Kirchenfront und die Gnadenkapelle festlich im Licht von vielen tausend Kerzen.
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Gnadenkapelle (grosses Bild)
Das berühmte Gnadenbild

Eine eindrückliche Engelweihe feierten die Einsiedler im Jahre 1466, als 130'000 Menschen her pilgerten. Nach einem Brand war die Kirche, welche mittlerweile die Kapelle ganz überspannte, renoviert worden. Seit diesem Ereignis weiss man von dem Bildnis der Gnadenmadonna, die noch heute ihren gütigen Blick auf die Betenden legt, und die der Franzosengeneral so eifrig, aber erfolglos suchte.
Die Figur ist stehend, in sanft geschweifter, gotischer Schnitzerei. Sie hat das linke Bein etwas vorgestellt, die Haare leicht nach hinten gekämmt und über die Schultern fallend. Das erdbeerrote Kleid ist gegürtet und staut sich in vielen Falten über den Füssen. Schon sehr früh bekam Maria und das Jesuskind den prachtvoll bestickten Behang, der je nach Fest und Farbe wechselt und nur Gesicht und Hände freilässt. Auf dem Haupt eine Krone - so hat sie schon Bruder Klaus gesehen.
Sie ist schwarz und schön
Die Einsiedler Madonna und ihr Kind sind schwarz und sie gehört zur Reihe der berühmten schwarzen Madonnen Europas. Schwarz geworden ist sie im Laufe der Jahrhunderte durch den Russ von Kerzen, Öllampen und Weihrauch.
Als sie aber 1803, fünf Jahre nach ihrer Flucht vor den Franzosen also, feierlich nach Einsiedeln zurückkehren durfte, wurde sie in Österreich restauriert. Der Künstler machte die Haut wieder sauber und damit fleischfarben. Doch die Leute waren enttäuscht: "Das ist nicht unsere Madonna - unsere ist schwarz!" Er übermalte Gesicht und Hände mit schwarzer Farbe, und so blieb es bis heute. Im Volk hatte sich die Einsiedler Madonna als schwarze Madonna eingeprägt.

Eine neue Kapelle

Nach ihrer Rückkehr musste sie allerdings noch Jahre warten, bis ihr der alte Platz in der Gnadenkapelle wieder zukam, denn erst 1817 wurde eine neu erbaute, leicht veränderte Kapelle unter dem gewaltigen Oktogon der Klosterkirche eingeweiht.
 
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