Unterkirche
Einführung zur Unterkirche (eingeweiht 3. Mai 1986)
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Unterkirche (grössere Ansicht)
Bevor Susana Polac (La Adrada, Spanien) und Architekt Benito Davi (Zollikerberg) die Gestaltung der Unterkirche in Angriff nahmen, war folgendes vorgegeben: Ein kellerartiger, niedriger Raum, rechtwinklige Betonwände, die Unterteilung der vorhandenen Fläche in einen Hauptraum mit vier kleinen Nebenräumen, dazu eine konvexe, natursteinerne Apsis aus dem 11. Jahrhundert. Es gelang dem Architekten, den Raum (besonders durch die alles verbindende Holzdecke) so zu gestalten, dass Frau Polac sich an den inneren Ausbau heranwagen konnte.
Susana Polac hat für die Erfassung und Gestaltung eines Raumes ein besonderes Gespür. 1915 in Wien geboren, ist sie im Laufe ihres Lebens in die verschiedensten, künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten hineingewachsen: Solotanz (mit eigener Schule für Körperbildung in Rom, 1935), Malerei und Grafik (mit Professur in Lima, 1945), Steinhauerei (Lehre in Madrid, 1951). Susana Polac betrachtet ihre Werke wie Kinder, die ihr viel abverlangen, bis sie geboren sind: Intensive innere Auseinandersetzung (Gebet, Meditation, Ideen, Träume), aber auch körperliche, zum Teil sehr harte Arbeit (Susana schuf die Werke der Unterkirche als 70-jährige Frau, fünf Jahre vor ihrem Tod), um den geistigen Inhalten eine äussere Gestalt zu verleihen, um die Ideen Form werden zu lassen. Sind die Werke einmal geschaffen, so lässt Susana sie fahren; selbständig geworden, warten sie nun auf Menschen, die sich mit ihnen in einen Dialog einlassen. Denn was von der Seele der Künstlerin da hinein floss, das möchte seinerseits die innere Tiefe des Betrachters berühren. Ihre Werke möchten nicht bloss äusserlich zu beurteilende Kunstobjekte sein.

In der Einsiedler Unterkirche hat sie nun versucht, Formen, Materialien und Farben in den Dienst ihres grossen Anliegens zu stellen: Durch die Einheit von Raum und Gegenständen einen Ort der Ruhe und Harmonie zu schaffen für die Kontemplation und das stille Gebet.
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Unterkirche Altarraum (grössere Ansicht)


Vier Säulen, verkleidet mit gebrannten Tonplatten, geben dem Altarbereich einen festen Rahmen. Aus einem roten Marmorblock entwachsen da, zu einer Einheit verschmolzen, Altar, Ambo und siebenarmiger Leuchter. Und über ihnen, zentral, der Tabernakel. Der Altar ist durchbrochen gearbeitet und zeigt die Vereinigung von Lebensbaum und Kreuz ("Vom Baum des Paradieses kam der Tod, vom Baum des Kreuzes kam das Leben", Präfation vom 14. Sept., Fest der Kreuzerhöhung, Weihefest der Einsiedler Gnadenkapelle). In der Wandnische darüber schwebt der kugelförmige Tabernakel, in dessen Zentrum ein handgeschliffener Bergkristall leuchtet. Seine Reinheit wirft jedes Licht in den Raum zurück, wird zur strahlenden Mitte, wird zum Kern des Geschehens, wird zum Symbol Christi, der sagte: "Ich bin das Licht der Welt". Im Schliff des Kristalls ist
ein zwölffacher Stern zu sehen. Die zwölf aus diesem Zentrum ausgehenden, kreisenden Formen symbolisieren das schwingende Leben im Kosmos und auf Erden, sich harmonisch bewegend, eingefasst ins Rund der Ewigkeit. 24 Flammenhände strahlen die Kraft des Lichtes über jede Begrenzung hinaus ins Unendliche - oder holen, in umgekehrter Bewegung, alle Elemente des Alls hin zu seiner Mitte zurück.

Im unauffälligen Ambo finden wir wiederum symbolisches Geschehen: In den Wellen steht Christus, umgeben von sieben Fischen: Drei sind auf IHN, das Wort, hin gerichtet, die andern streben in die vier Weltrichtungen hinaus, um die hier beim Ambo empfangene Frohbotschaft in die Welt hinauszutragen. Die Fische stehen aber auch stellvertretend für alle Geschöpfe: Ihre Kristallaugen (aus dem gleichen Kristall des Tabernakels geformt) bedeuten, dass in jeder Kreatur ein göttlicher Lichtfunke verborgen ist, der sich, bewusst oder unbewusst, zu dem zurücksehnt, von dem er ausgegangen ist. Der Kolosserbrief drückt es so aus: "Alles, im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, ist durch IHN und auf IHN hin geschaffen".

Die Seitenkapellen der Unterkirche sind Menschen gewidmet, die diesen Weg vorausgegangen sind und an diesem Wallfahrtsort besonders verehrt werden (die Muttergottes und Bruder Klaus).
So möge die stille Atmosphäre der Unterkirche auch jedem Eintretenden zum Begleiter und Führer werden auf seinem eigenen Weg zu diesem ewigen Ziel.
 
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