|
Hl. Benedikt - Detail aus dem Pontifikalornat (1899) von Pater Rudolf Blättler - angefertigt im Benediktinerinnenkloster Au bei Einsiedeln |
|||
| Oblaten: Damals und heute Zum Begriff Die Brockhaus-Enzyklopädie (1991) führt unter dem Stichwort Oblaten folgendes an: 1. Oblate [lateinisch oblata (hostia) = dargebrachtes (Abendmahlsbrot)], papierdünnes Gebäck oder Gebäckunterlage (z.B. für Lebkuchen, Makronen aus Weizen- oder Maismehlteig). Oblaten werden in fast allen christlichen Kirchen als Hostien verwendet. 2. Oblate [lateinisch oblatus = der Dargebrachte] In der mittelalterlichen Kirche Bezeichnung für Kinder, die von ihren Eltern einem Kloster übergeben und für das Klosterleben bestimmt wurden. Seit dem 8. Jahrhundert Bezeichnung für Erwachsene, die sich einem Kloster durch Oblation, einem widerruflichen Gehorsamsversprechen, angeschlossen haben. Im Mittelalter kam die Bezeichnung Donatus [der Geschenkte] auf. Soweit diese Oblaten in der Welt leben, sind sie dem Dritten Orden vergleichbar. Mitglied einer Ordensgemeinschaft, die den Ausdruck Oblaten im Namen führt... Die Geschichte des Oblatenwesens Der Name Oblaten leitet sich also ursprünglich von jener mittelalterlichen Sitte ab, Kinder einem Kloster anzuvertrauen. Benedikt kennt im 59. Kapitel seiner Regel diese Gepflogenheit, die sich schon im ältesten Mönchtum findet (Pachomius) und besonders in Gallien verbreitet war. Sie hat ihren Ursprung in der väterlichen Verfügungsgewalt, die sowohl im jüdischen wie im römischen Recht verankert war. Der Vater bestimmt über das Schicksal der Kinder. Für Benedikt ist eine solche Oblation unwiderruflich, der Knabe ist für sein ganzes Leben an dieses feierliche Gelübde gebunden. Dieser Brauch blieb aber im Laufe der Zeit nicht unwidersprochen. Doch erst allmählich (z.B. bei Thomas von Aquin) setzte sich der Gedanke der freien Selbstentscheidung durch, bis das Konzil von Trient schliesslich für die Profess das Mindestalter von 16 Jahren vorschrieb. Es gab aber immer auch Erwachsene, die sich einem Kloster als Oblaten angliedern konnten. Wir finden sie seit dem 7. Jahrhundert. Sie hiessen auch Donati (Geschenkte). Später wurden sie häufig in das Institut der Konversen übergeführt. Unter Konversen versteht man Laien, die sich als Erwachsene sehr eng dem Kloster anschlossen, ohne die Profess abzulegen und eigentliche Mönche zu sein. Sie waren ein Mittelding zwischen den Mönchen und den rein weltlichen Angestellten des Klosters. Oft legten sie in späteren Zeiten eine Einfache Profess ab. In gewissen Klöstern wurden ihnen mit der Zeit die Feierliche Profess und alle Rechte der anderen Mönchen zugestanden, so auch bei uns in Einsiedeln. In unserer Gruft steht auf der Grabplatte der Brüder immer noch Religiosus conversus. Für eine zeitgemässe Definition der Oblaten bietet das Kapitel 59 der Benediktsregel also keine Hilfe. Das Wort Oblate (lateinisch oblatus) kommt übrigens in jenem Kapitel überhaupt nicht vor. Es ist dort nur die Rede von darbringen (lateinisch offerre) und von einer Opfergabe (lateinisch oblatio), die die Eltern spenden, wenn sie ihren Sohn dem Kloster übergeben. Im Grunde genommen kennzeichnet der Ausdruck Konverse das Grundanliegen des Oblatentums treffender als das Wort Oblate. Konverse leitet sich vom lateinischen convertere (umkehren, sich zu etwas hinwenden) ab. In diesem Wort enthalten sind einerseits die Bemühung um persönliche Umkehr (d.h. die Ausrichtung auf das Evangelium) und anderseits die Hinwendung zu einem bestimmten Kloster - zwei für einen Oblaten entscheidende Grundpfeiler. Oblaten sind nicht einfach "Minimönche" oder "Mininonnen". Es ist eine eigene, christliche Berufung. Wer Oblate ist oder sich von dieser christlichen Lebensform angesprochen fühlt, hat Kontakt zu einem ganz bestimmten Benediktinerkloster. Er ist von der benediktinischen Spiritualität angezogen und möchte sein Leben und Arbeiten in der Welt draussen davon durchdringen lassen. Die Benediktsregel ist ja zuerst einmal eine "Anleitung zu christlichem Leben" (Abt em. Georg Holzherr), bevor sie eine Mönchsregel ist. Jesus hat sehr wenig darüber gesagt, in welcher Form seine Jünger nach seinem Weggang leben, wie sie ihren Alltag gestalten sollten. Der heilige Benedikt versuchte nun, nach dem Vorbild der Urgemeinde von Jerusalem einer bestimmten Gruppe von Christen eine konkrete Lebensordnung zu geben. Er ist aber klug genug, den nötigen Spielraum für Anpassungen offen zu lassen. Er weiss: Je nach Zeit und Umständen wird der christliche Alltag wieder anders aussehen - anders im 6. als im 21. Jahrhundert, anders in Afrika als in Europa, anders in einem abgelegenen Kloster als in einer pulsierenden Grossstadt. Auch wenn sich der berühmte Leitspruch "Ora et labora" nicht in der Benediktsregel findet, so gibt er doch gut wieder, was die Absicht des heiligen Benedikt war, nämlich ein Leben in der bewussten Gegenwart Gottes zu führen. Achtsamkeit für die Spuren Gottes im Alltag ist hier gefragt, im Grossen wie im Kleinen. Gott bewusst in die tägliche Arbeit (labor = Arbeit, Mühe) hinein nehmen, aber auch die tägliche Arbeit bewusst ins Gebet hinein nehmen, vorzüglich in den Psalmen. Das ist jedem Christen aufgetragen, dafür braucht man nicht Oblate zu sein. Wenn sich einige trotzdem einer Oblatengemeinschaft anschliessen, so aus der Einsicht heraus, dass ein christliches Leben in der heutigen Zeit eher schwierig ist. Man ist oft allein mit seinem Glauben, seinem Suchen, seiner religiösen Praxis. Gott, der selber Gemeinschaft ist (Dreifaltigkeit), hat sich von Anfang an immer kleine-ren Gemeinschaften offenbart (Abraham und seiner Familie, den zwölf Aposteln usw.). Nachfolge Christi soll wenn immer möglich in Gemeinschaft geschehen, d.h. wir brauchen Menschen, die (in durchaus verschiedenen Lebensformen) den gleichen Weg gehen; wir brauchen Orte und Zeiten des gemeinsamen Gebetes; wir brauchen eine geistige Heimat, wo man sich aussprechen, wo man den Glauben vertiefen, stärken und gemeinsam feiern kann. Das geschieht bei den Oblaten von Einsiedeln konkret in drei bis vier Tagungen jährlich, es geschieht durch Impulse in der Zeitschrift der Mönchsgemeinschaft "Kloster Einsiedeln" und Begegnungen, es geschieht in der engen Verbundenheit mit dem Kloster. Die Oblaten sind ein Teil der Klosterfamilie. Ein schönes Zeichen dafür ist, wenn der Abt bei der täglichen Komplet in besonderer Weise der "abwesenden Brüder und Schwestern" gedenkt. |
||
|
||||
Wie kann man Oblate von Einsiedeln werden? |
||
| Jeder katholische Christ kann Oblate von Einsiedeln werden, wenn er nicht schon anderswo Oblate ist oder einem Dritten Orden angehört. Bei der Aufnahme in die Oblatengemeinschaft können die gleichen Kriterien angewandt werden, die Benedikt bei der Aufnahme von Novizen vorsieht (Kap. 58): Zuerst einmal ist zu schauen, ob der Interessent "wirklich Gott sucht". Ein Gottsucher muss er also sein, getrieben vom Verlangen, diesem Geheimnis in seinem Leben immer mehr Raum zu geben. Benedikt wird dann konkreter und wünscht, dass sich der Bewerber um die folgenden drei Dinge bemüht: 1. Gebet (opus Dei) 2. Hören/Gehorsam (oboedientia) 3. Bereitschaft für einfache Dienste (opprobria), also spontane Hilfsbereitschaft, Demut im ursprünglichen Sinn des Wortes (althochdeutsch dien-muot, Mut zum Die-nen). Darüber hinaus legt Benedikt grossen Wert auf die Discretio, die er die "Mutter der Tugenden" nennt. Sie bedeutet: Gesundes Mass, Sinn für das Machbare, kluger Mittelweg zwischen Ideal und Wirklichkeit, feines Gespür für die Einmaligkeit eines jeden Menschen in seiner je eigenen Situation, Verständnis, Einfühlungsvermögen und Erbarmen. Benedikt ist jeder Form von Extremismus und Fanatismus abhold. Wer also in kirchlichen Fragen extreme Positionen einnimmt, sollte nicht Benediktineroblate werden. Für ihn gibt es andere Vereinigungen. Für Männer und Frauen, die sich für das Oblatenwesen interessieren, empfiehlt sich zunächst die Lektüre des "Handbuchs für Benediktineroblaten": Unter der Führung des Evangeliums, Beuron 19992, ISBN 3-87071-058-6. Es ist ein praktisches, handliches Büchlein, das auf viele Fragen eine Antwort gibt und alles beinhaltet, was für Oblaten von Interesse ist. Es sind darin auch die kirchlichen Tagzeiten (Laudes, Vesper und Komplet) aufgeführt. Wer Mitglied der Oblatengemeinschaft des Klosters Einsiedeln werden möchte, kann mit dem Oblatenpater Kontakt aufnehmen: Oblatenpater, Kloster, CH-8840 Einsiedeln (oder via Email: kloster@kloster-einsiedeln.ch). Mit gegenseitigem Einverständnis wird man anlässlich einer Zusammenkunft der Oblaten in das Probejahr aufgenommen (im Handbüchlein S. 161). Bei gemeinsamen Gesprächen im Laufe des Jahres wird dann erwogen, ob eine Oblation in Frage kommt. Dazu muss auch der Abt sein Einverständnis geben. Die Oblation (im Handbüchlein S. 163) erfolgt dann feierlich innerhalb der Eucharistiefeier mit der Klostergemeinschaft in Anwesenheit aller anderen Oblaten. Sie ist ein von der Kirche angenommenes Versprechen; dabei handelt es sich weder um eine Ordensprofess, noch um ein öffentliches oder privates Gelübde; d.h. die Oblation kann wieder gelöst werden (durch den persönlichen Entschluss des Oblaten oder von Seite des Klosters). Manche Oblatengemeinschaften sind wegen Überalterung kleiner geworden, andere haben ganz aufgegeben. Bei uns in Einsiedeln wie auch in anderen Klöstern sind erfreuliche Zeichen für ein neu aufbrechendes Interesse am Oblatenwesen festzustellen. Anfang 2011 zählte die Gemeinschaft 55 Oblaten und 4 Interessenten. Der Oblatenpater |
||