22.10.2009: Berthod: «Mir geht's super...»
Berthod: «Mir geht's super im Wohnmobil»
Marc Berthod hatte eine schwierige vergangene Saison. Hartnäckige Rückenschmerzen warfen ihn immer wieder zurück. Nun startet er einen Neuversuch mit einem eigenen Konditionstrainer und Wohnmobil.

Eigentlich ist es keine Überraschung, dass Marc Berthod künftig in einem Wohnmobil von Rennen zu Rennen tingelt. Zu seinem immer länger wuchernden Vollbart und zu seiner wilden Mähne passt ein solches
Gefährt wie die Faust aufs Auge. Seit Anfang Juli besitzt der bald 26-jährige Skiprofi ein Wohnmobil. In den vergangenen Wochen hat er in diesem oft gewohnt und ist mit seinem mobilen Eigenheim an die Trainings nach Saas-Fee oder Zermatt gereist. Steuern tut Berthod sein Wohnmobil selten selber. «Ich habe erst den Lernfahrausweis», sagt er. Deshalb sitzt meist Guido Suter am Steuer, sein neuer Privattrainer, der ihn künftig an praktisch alle Rennen begleitet.


Gesunder Schlaf
Während Suter am Steuer sitzt
und vom Trainingscamp in Saas-Fee Richtung Bündnerland kutschiert, hat Berthod Zeit für anderes und kann zum Beispiel in Ruhe mit der «EP/PL» telefonieren. «Das mit dem Wohnmobil läuft super, ich geniesse mein Eigenheim total.» Er schlafe auch gut im Camper, erzählt Berthod. Denn ein Grund, wieso er sich für einen Neustart im Wohnmobil entschieden hat, sind seine hartnäckigen Rückenprobleme, die ihm in der vergangenen Saison so viele Probleme bereitet haben. Im Wohnmobil
kann er nun jede Nacht im gleichen Bett schlafen, das die optimale Härte für seinen fragilen Rücken hat. Linderung erhofft sich der St.Moritzer aber auch von Guido Suter. Suter ist diplomierter Sportund Konditionstrainer mit viel physiotherapeutischem Fachwissen. Berthod kennt Suter von früher, als dieser noch das B-Kader betreute. Sein Konditionstraining hat Berthod diesen Sommer vollständig mit Suter gestaltet und nicht mehr mit seinen Kollegen. «Wir machen nichts Aussergewöhnliches,
sondern mehr oder
weniger ein ganz normales Kraft und Konditionstraining. Aber ich stemme eher etwas leichtere Gewichte, und damit der Rücken immer gut geführt ist, trainiere ich mehr an Maschinen als mit Freihanteln», erklärt der Engadiner. Dazu macht Berthod vermehrt spezielle Übungen für den Rücken und die Rumpf-Stabilisation.
Suter begleitet Berthod über den ganzen Winter, nur an den Novemberrennen
in Nordamerika wird er nicht dabei sein. Entlöhnen tut der Skiprofi seinen Privattrainer aus dem eigenen Sack. Neben einem kleinen Fixum bekommt Suter einen Anteil an Berthods Prämien. «So bleibt zwar weniger für mich übrig, aber wenn ich dadurch wieder schneller Ski fahre, lohnt sich diese Investition allemal.» Für die erste Saison sei der Lohn von Suter gesichert, im Frühling werde dann geschaut, wie es weiter geht, meint Berthod.
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Seit Marc Berthod in seinem Wohnmobil haust, geht es ihm besser und hinterlässt auf den Skiern einen dynamischen Eindruck. Foto: Swiss Ski


Essen lieber im Hotel
Auch Cheftrainer Martin Rufener ist mit Berthods «Alleingang» einverstanden. «In der Gruppe hat man in der Tat zu wenige Möglichkeiten für individuelle Konditionstrainings.» Und das Leben im Wohnmobil könne Berthod auch psychologisch einen Schub geben, sagt der Cheftrainer. «Es ist gut, etwas Neues auszuprobieren wenn es nicht mehr läuft.» Ansonsten ist Berthod aber voll ins Team integriert, er isst mit seinen Kollegen zusammen im Hotel und trainiert mit ihnen auf dem Schnee.
Manchmal gehe er auch ins Hotel duschen, meint Berthod schmunzelnd, das sei einfacher und bequemer als im Wohnmobil. Für Unstimmigkeiten im Team würde sein Wohnmobil überhaupt nicht sorgen. Im Gegenteil: «Es harmoniert super und manchmal klopfen wir auch einen Jass in meinem Camper.»

Ziel Olympische Spiele
Mit den Trainings ist Berthod mehrheitlich zufrieden. Zuletzt konnte er wieder das normale Pensum abfahren wie die Teamkollegen, ohne dass sein Rücken zu zwicken anfing. «Ich kann mich wieder aufs Skifahren konzentrieren und muss nicht immer an meinen Rücken denken.» Teilweise macht ihm seine Spinalkanal-Verengung aber noch zu schaffen. Besonders im Überseetraining in Argentinien haben ihn Schmerzen geplagt. «Ich stand einfach zu viele Tage nacheinander auf dem Schnee.»
Für den Weltcupstart in Sölden fühlt sich der St. Moritzer bereit, auch wenn ihm im Vergleich zu seinen Kollegen ein paar Trainingsläufe fehlen. «Ganz nach vorne wird es wohl noch nicht reichen, aber unter die Top15 zu fahren ist ein realistisches Ziel.» Auch Rufener erwartet von Berthod noch keine Exploits. «Ihm fehlt noch immer die Konstanz, er hat aber über den Sommer Schritte nach vorn getan.» Berthods Hauptziel in dieser Saison ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Vancouver. Wenn möglich im Riesenslalom und Slalom.

Franco Furger
Quelle: Engadiner Post/Posta Ladina, 22.10.2009
 
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