01.04.2010: Marc Berthod im Gespräch
«Privat habe ich nur zwei Paar Ski»
Marc Berthod im Gespräch mit Riccarda Mühlemann. Eigentlich wollte er Astronaut werden. Nun hat Marc Berthod seinen Traumjob als Skirennfahrer gefunden.

Locker sitzt er im roten Sessel und plaudert aus seinem Leben, das ihn um die ganze Welt führt. Er wird als waschechter St.Moritzer vorgestellt, als junger und wilder Skiheld. Die Rede ist von Marc Berthod, der am Montagabend in der Gesprächsreihe «Das Engadin leben» der Moderatorin Riccarda Mühlemann Red und Antwort stand. Rund 60 Leute trafen sich im Hotel Laudinella, um zu erfahren, wie es sich als Skiprofi so lebt. Seine Familie war da, sein Fanclub, aber auch viele andere Interessierte, die mit dem Skisport weniger verbunden sind.
«Die Saison war durchzogen und ich bin nicht zufrieden.» Die einleitende Analyse der ablaufenden Skisaison fällt schonungslos aus. Wegen Rückenproblemen ist er im Herbst in einem Tief, aus dem er lange nicht heraus kommt. Das erste Rennen in Sölden läuft dann besser als erwartet, und Marc denkt, er sei auf dem richtigen Weg – nämlich nach oben zurück an die Weltspitze, dort wo er vor einigen Jahren war. Doch es folgen RückschlaÅNge und Ausfälle. Trotzdem qualifiziert er sich sicher für die Olympischen Spiele in Vancouver, wo er aber erneut eine Niederlage einstecken muss. Rang 29 im Riesenslalom, Ausfall im Slalom. «Ich habe mich etwas passiv verhalten, darunter haben die Vorbereitungen auf die Saison gelitten », gibt sich der 26-Jährige selbstkritisch.

Gesundheitlich geht es gut
Im nächsten Winter soll ihm das nicht wieder passieren und die Voraussetzungen für einen erfolgreichen nächsten Winter sind gegeben. Er fühlt sich fit, ist gesund, und auch seine Rückenprobleme (eine angeborene Verengung des Spinalkanals) hat er im Griff. «Wenn alles zusammenpasst ist vieles möglich», umschreibt Marc seine Ziele etwas gar zurückhaltend. Dabei ist klar, was er will, was jeder Skiprofi will, der schon mal zuoberst auf dem Podest stand: Schneller Skifahren als die Konkurrenten und Rennen gewinnen.
«Einen Sieg in Adelboden würde ich schon gerne nochmals erleben », antwortet Marc denn auch, als ihn die Moderatorin nach seinen schönsten Erinnerungen fragt. Zwei Mal gewann er schon in Adelboden, 2007 sensationell den Slalom mit Startnummer 60 und 2008 den Riesenslalom.
Natürlich sprach ihn die Moderatorin auch auf seinen wilden Look an mit Vollbart und strähniger Haarpracht und auf sein Leben im Wohnmobil, mit dem er von Skiort zu Skiort tingelt. «Das werde ich ständig gefragt », gab er leicht gelangweilt zur Antwort und kommentierte sein Äusseres nicht weiter. Aber er verriet, dass er auch nächstes Jahr wieder im gleichen Stil unterwegs sein wird. Denn die Zusammenarbeit mit seinem Privattrainer, der ihn im Wohnmobil begleitet, habe sich bewährt und auch das Zusammenspiel mit dem Verband funktioniere gut.
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Die Moderatorin und der Ski-Hühne: Riccarda Mühlemann und Marc Berthod. Foto: Franco Furger


Nicht ganz wohl fühlt sich der breitschultrige Skifahrer, als das Thema Dani Albrecht aufkommt. Marc und Dani waren als «Skizwillinge» bekannt, die zusammen die Weltcup-Szenen aufmischten. Der St. Moritzer fand jedoch keine klaren Worte, um den schweren Unfall, das Trauma und das Comeback seines Freundes zu beschreiben. Viel mehr als «Das ist ein heikles Thema. Ja, Dani zeigt wieder gute Ansätze beim Skifahren», liess er sich nicht entlocken.

Sensibler Rebell
Hinter dem wilden Look kam so die sensible Seite von Marc Berthod zum Vorschein. Hin und wieder drückte aber auch der Rebell in ihm durch; als er zum Beispiel dem Verband beiläufig einen Seitenhieb verpasst, und diesen als «ein Gebilde, das nichts aus der Hand geben will» beschreibt. Interessant waren dann Marcs Ausführungen zu seinem Skiverbrauch.
An den Rennen habe er mindestens fünf Paar Skis pro Disziplin zur Verfügung. «Da fehlt es an nichts.» Aber für den privaten Gebrauch wolle sein Ausrüster kaum einen Ski herausgeben. In seinem Keller zu Hause in St. Moritz stehen darum nur zwei Paar Ski, die Marc gehören. Ansonsten mangelt es im Hause Berthod aber sicher nicht an Ski, denn seine ganze Familie ist in den Skirennsport involviert. Sein Vater Martin und Onkel René waren ehemalige Weltcup-Athleten und auch Marcs Schwester Pascale strebt eine Skikarriere an. «Klar, ich werde immer wieder auf meinen Vater angesprochen, das ist schön, aber manchmal kann das auch nerven.» Am Mittagstisch aber spreche man nicht unbedingt übers Skifahren, sagt Marc, denn: «Es gibt auch noch anderes im Leben.»
Franco Furger
Quelle: Engadiner Post/Posta Ladina, 01.04.2010

 
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